Oktober 1968 – Fahrt nach Berlin

Beitrag ID 9949

(Beitrag von Manfred N.)

Mir ist wieder etwas eingefallen. Ich war noch gar nicht lange Busfahrer, als ich eine Fahrt nach Berlin hatte. Das Ungewöhnliche an dieser Fahrt auf der Anforderung von der Fahrdienstleitung stand 22.00 Uhr. Melden im Haus oder Block im Ministerium. Nummer ist mir nicht mehr in Erinnerung. Alle rätselten. War überhaupt nicht oder sehr selten, so eine späte Zeit und dann noch im Ministerium melden! Einen Tag vorher habe ich versucht, von der Fahrdienstleitung etwas zu erfahren, aber die hatten auch keine Ahnung. Man riet mir ins Ministerium zu fahren und den Standort zu suchen, wo ich mich Abends am nächsten Tag melden sollte. Das habe ich natürlich getan. Viel Erfahrung als Busfahrer hatte ich da noch nicht und dementsprechend war meine Aufregung groß. Ich stand pünktlich um 22.00 Uhr am Treffpunkt. Der Bus wurde bis auf 

den letzten Platz voll. Eine angeregte Unterhaltung der Offiziere, die meisten OSL und Majore, machten die Fahrt nach Berlin sehr kurzweilig.

Wie ich beim Fahren erfuhr, ging es um eine Alarmierung. Im LO-Bus konnte man die Ohren spitzen wie man wollte, der Motor war doch sehr laut und so konnte ich nicht rauskriegen, um was es ging. Auf dem Beifahrersitz hatte ein OSL Platz genommen, der mir ständig erklärte, wo ich lang fahren musste. Ich kann mich nur noch an die Frankfurter Allee erinnern. Es war ja dunkel und erst meine 2.Fahrt nach Berlin.

Ziel der Fahrt war das MdI (Ministerium des Inneren – heute Innenministerium genannt), das habe ich aber alles erst danach erfahren!



Auf Anordnung von ganz „Oben“ gab es eine Alarmierung des MdI durch eine Verwaltung des MfNV. Ich saß die ganze Zeit im Bus und konnte das Spektakel beobachten. Ein General der NVA war auch zu sehen. Nach und nach kamen PKW mit grün uniformierten Offizieren sowie auch Leute in Zivil. In der Nacht um 01.00 Uhr habe ich mich dann auf den 3-er Sitz hinter dem Fahrersitz gelegt und bin fest eingeschlafen. Morgens um vier Uhr kamen die ersten Offiziere und um fünf Uhr ging es zurück nach Strausberg. Einige wohnten wohl in  Berlin und sind unterwegs ausgestiegen. War zwar interessant gewesen aber leider viel zu dunkel und somit auch nicht viel zu sehen. War nach dem 21.08.68 und man wollte wohl sehen wie das MdI auf gewisse Vorfälle gerüstet war! Ist aber nur eine Vermutung. Auf der Fahrt nach Strausberg war es ruhig im Bus und ich konnte nichts mehr „aufschnappen“.

M.N.