Clever oder unfair

Beitrag ID 9975

(Beitrag von Lutz Teistler)

– So habe ich mir oft die Frage gestellt, wenn ich über diese Begebenheit berichte.
Irgendwann im ersten DHJ rückte die Kompanie zum Schießen aus. Es war das erste Kompanieschießen, welches wir mitmachten. Zum Schießplatz wurden wir von Kraftfahrern einer anderen Kompanie gefahren, da wir in der Achten keine Mannschaftstransporter hatten. Oberfähnrich Bergelt und der Schreiber, Gefr. Jürgen Butter kümmerten sich um Munitionsausgabe und Treffererfassung. Geschossen wurde auf drei Bahnen mit der MPi.


Truppenschutzmaske M10

Ziel der Übung war das Training, mit der neuen Truppenschutzmaske (TSM) M 10 aus tschechischer Produktion zu schießen.


Truppenschutzmaske M10 mit innenliegenden Filterelementen
Hergestellt in der CSSR – Nachbau der amerikanischen M17A1


Diese Maske war noch nicht allzu lange im Bestand des Regimentes und hatte innenliegende Filter, daher ziemlich große Backentaschen. Man konnte beim Schießen schlecht das Ziel anvisieren, ohne sich ewig darauf zu konzentrieren und den Kopf zu verrenken. So meine Erinnerung und die Schimpftiraden meiner Kameraden gaben mir Recht.


Einzel- und Dauerfeuer


Jedenfalls lag ich dann – MPi im Anschlag – bereit zum Schuss. Hinter mir mein Gruppenführer Ufw. Andreas Lüdke, welcher offenbar seinen Blick nur auf das Ziel richtete und mich nicht beachtete. Ich trug noch eine Maskenbrille und sah absolut nichts durch die Maske. So zog ich die Maske heimlich rechtsseitig vom Gesicht, damit ich wenigstens mit dem rechten Auge das Ziel sehen konnte.




Die Schießergebnisse der Truppe waren nicht besonders. Nur einer hatte voll abgeräumt, sowohl mit Einzel-, als auch mit Dauerfeuer – nämlich ich.
Nach dem Feuerhalt zog ich fix die Maske zurück und keinem fiel etwas auf. Zum Ende des Schießens stand die Truppe angetreten vor Hauptmann Kuntze ( ich verwende hier die Dienstgrade zur jeweiligen Zeit). Kuno hielt wie üblich eine zündende Rede, dass er enttäuscht ist und viel mehr erwartet habe und dann fiel der Satz, um den sich meine Kurzgeschichte dreht: „ Es geht auch anders! Soldat Teistler vortreten! “


Sonderurlaub


Da wusste ich noch nicht, warum und ob er mich für die Nummer mit der Maske rundmachen würde. Es kam aber anders:


Wegen hervorragender Schießergebnisse belobige ich den Soldaten Teistler mit einem Tag Sonderurlaub!“



Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie ich tun sollte und kam mir den Anderen gegenüber schäbig vor. Aber ich dachte mir dann, dass es jeder genauso hätte versuchen können und gab mich zufrieden. Am Ende – und das lernte ich in meiner Dienstzeit, hat so mancher irgendwo beschissen.