Beitrag ID 10013
(Beitrag von Roland Schulze)
Mein Name ist Roland Schulze, ich habe im KFZ-Regiment 2 meinen Grundwehrdienst in der Zeit Mai 1988 bis Oktober 1989 geleistet. Ich war in der 2. Kompanie als Fahrer eines AWE hauptsächlich für die Nutzer der Abteilung ORG im Ministerium für Nationale Verteidigung tätig in dieser Zeit.

Man hat viel erlebt in dieser Zeit, rückblickend sicher mit einem milderen Filter für das Erlebte, aber auch mit der Erfahrung & der Gewissheit, dass es im Vergleich mit den zahlreichen Fahrten und Erfahrungen in anderen Kasernen, Truppenteilen und Waffengattungen, es ein ziemliches Privileg war, die schwarzen Schulterstücke zu tragen, und eine relativ angenehme Dienstzeit zu haben. Angefangen von Zimmern mit 4 Betten, keine Großraumschlafsäle, EK-Bewegung war rudimentär, da durch den Fahreinsatz viele ständig unterwegs waren, man war manchmal auch alleine auf dem Zimmer. Unser EK im Zimmer, als ich nach der Grundausbildung zur 2. Kompanie gekommen bin, war wochenlang unterwegs mit Spezialauftrag in Zivil, wir haben ihn nur kurz kennengelernt. Man war viele Tage außerhalb der Kaserne, das war Freiheit im Gegensatz zu denen, die 24 h 7 Tage die Woche in den Kasernen zubringen mussten.
2. Kompanie Stand 1988/89
- Kompaniechef: Major Düring, Major Ebert
- TA: Hauptman Neitsch
- Zugführer: Leutnant Gebhard
- Spieß: Stabsfähnrich Schulz
- Zusätzliche Aufgaben für Soldaten:
- Bewachung des Garagenkomplex Wriezener Straße (Garagenblock für Minister-Fahrzeuge der 1.Kompanie)
- Küchendienste
- Dienste wie LOvD (=Läufer des Offiziers vom Dienst = 24-Stunden-Dienst) bereitstellen
Mein Haupt-Aufgabenbereich:
Fahrer für Nutzer der Abteilung Org des Ministerium für Nationale Verteidigung.
Die Verwaltung Organisation (oft kurz als Abteilung Org bezeichnet) war eine zentrale Strukturkomponente im Hauptstab der NVA des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV). Sie bestimmte maßgeblich über die reale Struktur, Einsatzkapazität und Standortplanung aller Streitkräfte sowie der Grenztruppen der DDR. Die Führung unterstand direkt dem Stellvertreter des Chefs des Hauptstabes für Organisation. Geleitet wurde die Verwaltung zuletzt von Generalmajor Herbert Schmerler (bis Februar 1990) und Generalmajor Hans-Georg Löffler (bis Oktober 1990).


Die Verwaltung setzte sich im Wesentlichen aus drei hochspezialisierten Fachabteilungen zusammen:
Abteilung Strukturen und Stellenpläne: Erarbeitung der Soll-Stärken, Dienststellungsprofile und organisatorischen Hierarchien für die NVA und die Grenztruppen.
Abteilung Koordinierung und Dislozierungsdienst: Zuständig für die Standortplanung, Kasernenbelegung und die geografische Verteilung (Dislozierung) der Truppenteile.
Abteilung Nachweis der materiellen Ergänzung und Bestand: Erfassung, statistische Kontrolle und Soll-Ist-Abgleiche der militärischen Ausrüstung, Bewaffnung und Bestände.
- In der Endphase der NVA (speziell im Umbruchjahr 1989/1990) unterstanden dem letzten Kanzleichef Generalmajor Hans-Georg Löffler drei feste, erfahrene Stabsoffiziere im Rang eines Obersts als direkte Abteilungsleiter:
- Oberst Dieter Schaaf: Leiter der Abteilung „Strukturen und Stellenpläne der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR“. Er trug die Verantwortung für die personellen Soll-Stärken und Dienstpostengefüge.
- Oberst Hademar Leiterer: Leiter der Abteilung „Koordinierung und Dislozierungsdienst“. Er war zuständig für die geografische Verteilung der Truppenkörper und die Belegungsplanung der Kasernenanlagen.
- Oberst Horst Nerlich: Leiter der Abteilung „Nachweis der materiellen Ergänzung und Bestand der NVA und Grenztruppen der DDR“. Er führte die präzisen statistischen Nachweise über sämtliche Großgeräte, Waffensysteme und Munitionsbestände.
Diese drei Offiziere bildeten zusammen mit Generalmajor Löffler das administrative Kernteam, welches im Jahr 1990 die detaillierten Abrüstungsdaten für die Übergabe an das westdeutsche Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) aufbereiten musste.
Nutzer bei meinen Fahrten waren u.a.:
- GM Patzer
- OB Leiterer
- GL Leistner
- KA Hans-Joachim Dönitz
- GM Schmerler
- GM a.D. Kämmerer
- OSL Dittrich (häufigster Nutzer, speziell für Fahrten nach Garzau) Der geheime Atombunker wurde von 1972 bis 1975 für die Nationale Verteidigung als Organisations- und Rechenzentrum der Nationalen Volksarmee der DDR gebaut.
- KzS Frenzel
- OB Rietze
- FK Kahl


Ein Highlight von mir war die Erlangung der Stufe 2 des Klassifizierungsabzeichen KFZ-Wesen nach Stufe 3, kein anderer Soldat/Gefreiter hat es geschafft, nur der TA hatte die Stufe, ich trug es mit Stolz auf der Fahrelse („Soldatenbezeichnung“ für die Fahruniform) und der Ausgangsuniform.
Ich habe einiges aus der Zeit wiedergefunden, Kalender, Fahrstrecken, Namen der Nutzer etc., einiges habe ich sehr gut verlegt, ich muss es nur wieder ausgraben 😊, Highlights wie Fahren nach Leipzig anlässlich der Inspektion von US-Inspektoren mit Übernachtung im Hotel am Ring,

Manöver-Beobachtungen, wenn der Nutzer Oberst xxx deinen AWE in Felddienst aus dem Schlamm schiebt, während der Fahrer in Ausgangsuniform am Steuer sitzt 😊. Fahrten an den Grenzübergang Drei Linden, Essen als kleiner Soldat im Offizierscasino…






