(Beitrag von Lutz Teistler)
…begann das alltägliche Totschlagen der Zeit mit sinnvollen oder weniger sinnvollen Aktivitäten. Die tägliche Post war ausgeteilt und gelesen, viele machten sich ans Beantworten, wobei gern kleine Zeichnungen für die Liebste zu Hause angefertigt wurden. Ab dem zweiten Diensthalbjahr kamen neue Tätigkeiten hinzu. Die Kameraden des ehemaligen DHJ, welche wieder zu Hause waren, hatten ihre Bastelkisten an die jetzigen Zwischenschweine verkauft. Diese hölzernen Ungetüme waren durchschnittlich einen Meter breit und etwa 60-70 cm tief. Sie passten damit prima unter die Betten. In den Kisten war ein riesiger Fundus an Bastelmaterial. Und hier trafen zwei Welten aufeinander: die Säger und die Gipser.

Die Säger
Erstere schufen wunderschöne Laubsägearbeiten. Kunstvolle Thermometerhalter mit Weinranken, Kaminuhrhalter, in welcher eine Taschenuhr Platz fand und ein kleiner Schieber für Schmuck vorhanden war, Flaschenhalter als Kanone und vieles mehr. Alles wurde schön gebeizt und lackiert.
Die Gipser
Die Gipser hatten ein schier unerschöpfliches Arsenal an Gussformen, welche untereinander getauscht wurden. Bilderrahmen, Masken, Schiffsmotive und und und wurden gegossen, bemalt, mit Goldbronze berieben und lackiert.
Alles wurde auf dem Postweg nach Hause geliefert, wo es dann verkauft wurde.
Die Unterkunftsstuben sahen entsprechend aus. Späne, Gipsreste, Flecken. Dazu der stechende Geruch von Nitrolack. In der Achten waren vor allem die Kameraden des zweiten Zuges dergestalt produktiv.

Kompanieklub
Der erste Zug – also fast nur das dritte Diensthalbjahr, denn Hierarchie musste sein – verzog sich in den Kompanieclub. Dort gab es nach Dienstschluss zunächst für alle einen kleinen Verkauf von Getränken, Zigaretten und Süßem. Als Sprutz (erstes DHJ) hatte ich mich anfangs immer gewundert, warum die dienstälteren Kameraden immer Spray verlangt haben und Limonade bekamen. Bis ich herausfand, dass es Spree bedeuten sollte und die Getränke von VEB Spreequell gemeint waren.
Nach dem Verkauf war der Clubraum für uns.

Burkhard S. aus dem schönen Harz hatte eine Schallplatte von Kate Bush mitgebracht, welche hoch und runter lief. Dazu gab es ein schon legendäres kulinarisches Ritual. Wer in den Ausgang konnte, brachte Toastbrot, Salami, Schnittkäse und Ketchup mit.
Der Toast
Dann liefen unsere zwei Toaster im Dauerbetrieb.
Die Brotscheiben wurden leicht angetoastet, dann mit Ketchup bestrichen, mit Salami belegt, Käse darauf und noch zwei, drei Tupfer Ketchup darauf. Dann fertig toasten und genießen.

Wir haben die Dinger zu Hunderten verdrückt. Nach der Entlassung habe ich mir für zu Hause solch einen Toaster gekauft, Ende 1985. Der tut heute noch seinen Dienst und solche Schnitten mache ich heute noch.
Wir hatten auch Kameraden, welche zu Hause eine kleine Wirtschaft hatten. Es gab großes Hallo, wenn Schlachtpakete eintrafen. Bei meinem Freund Klaus, der im geheimen Bereich Technik Dienst verrichtete, wurde die Dauerwurst in Leinensäckchen gefüllt und dann geräuchert. Der Rauch drang viel intensiver in die Wurstmasse ein und die Dinger schmeckten himmlisch. Damals kannte ich dieses Verfahren nicht, heute ist das ja durchaus gängig.
Nach dem Abendessen wurde noch eine Weile der Fernseher angeschaltet und dann war der Tag auch schon vorbei.

Sehr selten wurde der eingeschmuggelte Alkohol schon im Clubraum verkostet, damit ließen wir uns wie unsere Vorgänger stets bis nach dem Ruf zur Nachtruhe Zeit. Da war alles wesentlich einfacher zu überwachen.


