(Beitrag von Uwe Lieber)
In welchem Jahr, weiß ich nicht mehr, war ich in der Grundausbildungskompanie eingesetzt. An dem Tag stand Handgranatenwerfen auf dem Dienstplan. 1.Durchgang Übungshandgranate; also jeder einzeln mit seinem Zünder an die Wurflinie, eingeschraubt, Splint ziehen, Werfen, Abducken und nach dem Knall vorn den Wurfkörper suchen und zurückholen. Beim zweiten oder dritten Mal Suchen, haben wir eine schöne blanke, nagelneue, noch mit Blindverschluß versehene Handgranate gefunden. Hab ich mir erst mal in die Beintasche gesteckt. Dann konnte ich die Neuen mit der größten Klappe direkt an der Wurflinie fragen, mit was sie zuerst werfen wollen; Übung oder Scharf? An die Scharfe wollte keiner ran. Und so wanderte sie immer wieder bis nach dem Werfen in meine Beintasche.

Als ich dann am Ende des Tages unserem Oberkommandierenden des Schießplatzes Stfw. Schielke das Teil auf den Tisch legte, hat dieser mindestens so bedröppelt geschaut, wie die Polizisten der Wache Strausberg, als ein Eigenheimbauer auf den Sonntag auch eine solche in ihrer Tür-Luke ablegte. Das gab natürlich einen Riesenaufriß, wieso so ein Knallkörper einfach so in der Gegend rumliegen konnte.
In der NVA ging sowas gar nicht; wir sind doch nicht bei den Russen. Die Untersuchung hat dann ergeben, dass bei einem anderen Zug statt 20 Wurfkörper und 20 Zünder, nur 19 Zünder in der Kiste waren. Warum, wieso-keine Ahnung. Es war einfach so. Aber es durfte nicht sein, und der Zugführer hätte dies eventuell erklären müssen. Um das zu umgehen, hat er die Handgranate, für die am Ende kein Zünder mehr da gewesen wäre, auf das Zielgelände geworfen; und hat nach ihr werfen lassen um sie zur Detonation zu bringen. Hat dann aber wohl nicht geklappt. Übrigens habe ich auch diesen Genossen (Henkel/Andre) einige Jahre später wiedergetroffen.
Siehe auch hier: Beitrag Handgranaten-Übung von P. Martin



