(Beitrag von Manfred M. vom 06.01.2026)
Neun Monate habe ich jetzt über meine Zeit im Regiment berichtet! Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass mir nach fast 60 Jahren die inzwischen vergangen sind, soviel in Erinnerung geblieben ist. Durch die Schreiberei kam ständig etwas „Neues „, aber Altes, was ich erlebt habe, zum Vorschein. Anlass meiner Schreiberei war das Bild von Oberst Schamedatus, das ich auf der Web-Site des Regimentes fand. Wer sich mit meiner Geschichte im Regiment beschäftigt hat, weiß darüber Bescheid. Nun ich habe so einiges erlebt! Als Unteroffizier, als Gefreiter und wieder als Unteroffizier!
War man als Uffz. im Ausgang, wurde man schon mal vollgenölt von EKs. Da kam es auch auf die Waffengattung an. Von Soldaten, die schwarze Schulterstücken trugen, also vom Regiment waren, kam das kaum vor, da die Wiedererkennungsmöglichkeit groß war. Eines Tages war ich ja Gefreiter und der Ärger ging im Ausgang los.

An meinem Winkel am linken Arm der Uniformjacke konnte ja jeder sehen, dass ich Soldat auf Zeit war. Man konnte es an den Augen der anwesenden Soldaten sehen, was sie über diesen komischen Gefreiten dachten, Zeitsoldat und das als Gefreiter! Dienetot und 1000-Tage-Diener waren noch zu ertragen, aber es kamen
auch sehr gemeine Ausdrücke.
Einige Zeit bin ich einfach nicht mehr in Ausgang gegangen, obwohl ich ja als Freiwilliger eine ständige Ausgangskarte besaß und somit nach Dienstschluss immer die „Kaserne“ verlassen konnte, aber der Winkel sollte mich jetzt daran hindern. Es kam der Tag, als ich Schreiber vom Hauptfeldwebel wurde und sich für mich und mein Selbstwertgefühl alles änderte. Nach dem ich mich in meine neue Aufgabe eingearbeitet hatte, wurde ich mutiger und entfernte den Winkel an meiner Ausgangsuniform.
Jetzt war ich Gefreiter wie jeder andere und konnte mich auch bei den EKs sehen lassen, ohne vollgepöpelt zu werden. Es ist tatsächlich keinem aufgefallen, dass ich den Winkel entfernt hatte.
Ab September 1968 war ich ja Busfahrer im Delegationszug und das war immer wie Ausgang!
War man auf „Fahrt“ mit Offizieren, dann saß man Abends in irgendeiner Kneipe, manchmal aber auch in Hotels oder Schulungsobjekten der NVA. In der Kaserne gab es immer was zu tun. Die meiste Zeit war ich am Bus beschäftigt und die Lust auf Ausgang war gering. In meiner Zeit als Busfahrer war ich noch einmal im Hotel Süd, aber ansonsten bin ich nicht mehr in Ausgang gewesen. Wir Fahrer waren ja soviel unterwegs in der Republik, da brauchte man keinen Ausgang mehr! Für mich kann ich sagen, die drei Jahre in der NVA waren eine gute Zeit und auf keinen Fall umsonst! Ich habe tolle Menschen im zivilen Bereich sowie im militärischen Bereich kennen lernen dürfen. War aber letzt endlich nicht ganz so wichtig, denn es ging ja meistens um Befehle und nicht um Sympathien. Trotzdem habe ich an einige eine gute Erinnerung! M.N.


