(Beitrag von Lutz Teistler)
Nach dem Stress mit der Wasserkuh war mir am Abend nach Abwechslung. Wir lagen in der Nähe von Bestensee, von dort stammte der Soldat B., welcher mit mir zur Übung war. Der lag mir seit Stunden in den Ohren, dass ja heute in Bestensee Disco wäre, er dort den gesamten Jugendclub kennt und wir auch so reinkommen würden, d.h. ohne Eintritt und egal, wie voll es ist. Diesen Floh setzte er auch den Kameraden der Neunten (Kompanie) ins Ohr, welche als Kradregulierer mit zur Sicherstellungsübung waren. Dort traf er auf gesteigertes Interesse und so fragte mich der Gefreite D. – wir waren ein Diensthalbjahr und kannten uns bestens – ob wir nicht gegen Abend mal „abdocken“, also verschwinden wollen. Ich habe mich dann schließlich überreden lassen, der Tag war ohnehin spannend genug gewesen.
Also fuhren wir bei einbrechender Dunkelheit mit zwei Regler-Krädern nach Bestensee.
An der Disco angekommen, gab es großes Hallo, als Uwe B. seine Kumpels begrüßte und uns vorstellte. Die Regulierer stellten ihre MZ (TS 250/1 A) direkt neben dem Eingang ab und wir gingen in den Saal. Wir waren alle in Felddienstuniform, also auch in Stiefeln. Wir brauchten damit natürlich keine der Dorfgrazien zu fragen, ob sie mit einem von uns tanzen möchten. Uwe war sowieso mit seinen Freunden beschäftigt, so dass wir uns mit Musik berieseln ließen, ein Bier tranken und ab dann nur noch Cola.
Zwei Stunden hielten wir es aus, dann machten wir uns auf den Rückweg. Die Motorräder schnurrten im Dunklen eine Allee entlang. Ich schaute als Sozius rechts am Kopf meines Fahrers D. vorbei auf die vom Lichtkegel des Scheinwerfers beleuchtete Straße. An dieser Stelle versuche ich mich zu erinnern, ob wir auf dem Soziussitz überhaupt einen Helm trugen. Vielleicht hatten wir den Stahlhelm auf. Keine Ahnung. Darüber denke ich erst jetzt beim Schreiben dieses Artikels nach.
Auf jeden Fall kann ich mich noch bestens an folgende Situation erinnern: Mein Fahrer wurde müde, wie er mir später erzählte. Das Motorrad fuhr ganz langsam immer weiter nach rechts, die Bäume kamen bedrohlich näher, so dass ich meinem Fahrer auf die Schulter klopfte und: „ pass auf“ schrie. D. nahm schlagartig den Kopf höher und steuerte abrupt nach links.
Unglücklicherweise befand sich eine längere und recht breite Schicht Sand auf der Straße. Darauf geriet die Maschine ins Schlingern, es war ein einziges Zickzack und kippte auch hin und her.
Alles geschah in Sekundenbruchteilen, statt an unsere Gesundheit zu denken, dachte ich, dass wir nach Schwedt kommen, wenn jetzt etwas passiert.
Nachdem D. mit dem Lenkerende fast einen Baum rasiert hatte, bekam er das Krad wieder in den Griff. An der nächsten Einmündung hielten wir an. Auch das zweite Krad, was uns direkt folgte hielt an. Keiner sagte auch nur einen Ton, lediglich die Zigarettenschachtel ging herum. Als wir aufgeraucht hatten, nahmen wir uns wortlos in die Arme und mein Kutscher meinte nur: „Lutze, der da oben wollte das so“.
Wir fuhren anschließend zurück, die Wachsoldaten an der Zufahrt waren dieselben, welche uns davonfahren sahen und hoben nur grüßend die Hand.
Ich fahre auch heute privat langjährig und gerne Motorrad – bei der Fahrt durch Alleen kommt mir aber immer wieder diese Szene vor Augen. Das hätte unser sicheres Ende sein können.


