50. Geburtstag von Oberst Huber

(Beitrag von Peter Nicolai)


50. Geburtstag von Oberst Huber

1979 feierte unser Regimentskommandeur, Oberst Huber, seinen 50. Geburtstag – und der Empfang fand, ich glaube, stilecht im Kinosaal statt. Schon bevor es losging, herrschte im Stab Hochbetrieb: Alles sollte würdig sein, geschniegelt, geplant und perfekt getaktet. Denn es war klar: Das wird kein „kleiner Kreis“, sondern ein Kommen und Gehen.

Und genau so kam es. Ständig trafen neue Gratulanten ein – hohe Offiziere und Generäle aus dem Verteidigungsministerium, befreundeten Einheiten und der Roten Armee. Jeder wollte persönlich gratulieren. Und Oberst Huber? Der begrüßte jeden einzelnen Gast nach guter alter Sitte: mit einem Glas Schnaps.

Nun kann man sich ausrechnen, wie das geendet hätte, wenn er das wirklich bei allen durchgezogen hätte. Das hätte niemand überstanden!


DDR- Kognak der gehobneren Preis- und Qualitätsklasse, die einfache „Variante“ für den „Alltag“ war der Goldbrand = „Goldi“ genannt.


Also griff man zur genialsten aller militärischen Speziallösungen: Tarnung. Am Tag davor ging der Befehl an die Küche, die Farbe einer Flasche „Kognak“ exakt nachzubauen – mit Tee. Optisch durfte kein Gast auch nur eine Chance haben, den Unterschied zu erkennen. Es wurde gerührt, gemischt, nachgefärbt, geprüft – und ja: trinkbar musste es am Ende auch noch sein.

Am Empfang standen dann zwei Flaschen auf dem Tisch: eine mit echtem Schnaps für die Gäste – und eine „Kognak“-Flasche mit Tee für Oberst Huber. So konnte er mit jedem anstoßen, freundlich lächeln, souverän bleiben – und den Tag nicht nur würdig, sondern auch unfallfrei überstehen.